Views
3 years ago

Inspiration 01/2017 dt

  • Text
  • Curtius
  • Combin
  • Felix
  • Bergsport
  • Wegweiser
  • Paar
  • Holz
  • Gipfel
  • Eisklettern
  • Welt

DER FORMENWANDLER

DER FORMENWANDLER Alexander Curtius macht Kunstwerke aus Holz, das eigentlich ausgedient hat. Dazu zählen auch Teile von Arven und Lärchen, die von Lawinen mitgerissen wurden. Hoch konzentriert: Alexander Curtius fördert aus dem Holz im Grunde nur etwas zutage, was schon längst angelegt ist. Hochgenuss 26 Der Schneefall hat gerade kurz aufgehört, langsam geht es mit dem Auto durch die weiss gekleidete Unterengadiner Ortschaft Scuol. Alexander Curtius erzählt eher beiläufig diese Geschichte von der Blume, einer Calendula. Ein ganzes Jahr lang hat er sie während seines Bildhauer-Studiums beobachten müssen, nein, dürfen. Denn an der kleinen Calendula, die auf den ersten Blick doch so gar nichts mit Holz zu tun hat, konnte der Künstler das ganz grosse Thema des Lebens verfolgen: werden, blühen, vergehen. Dann sagt Curtius mit seinem immer etwas nachdenklich wirkenden Lächeln noch: «Wir sind da ja ähnlich.» Werden. «Hier musst du rechts ranfahren», sagt Curtius ein paar Autominuten jenseits von Scuol. Dort, wo Tal und Bäume die Welt verdunkeln. «Sei vorsichtig, schön langsam.» Es sind nur ein paar Schritte zu einem alten Kuhstall, seinem Holzlager. Drinnen stehen mehrere Dutzend, von der Motorsäge bereits in die Form gebrachte Rohlinge, die

meisten davon aus Pappelholz; mal ist eine Liege erkennbar, dort die groben Umrisse eines Sessels. Auf der anderen Seite stapeln sich 30 wurzelartige Holzstücke, ausgestattet mit Knubbeln und Tentakeln. Was hier liegt, passt in keine Norm. Die Pappelhölzer haben als überdimensionierte Trümmer ihren Wert für die Gesellschaft eigentlich verloren. Sie werden oft nur noch geschreddert und kompostiert, weil sie kein Sägewerk der Schweiz mehr schneidet. Die knorrigen Fundhölzer sind meist vom Felsen gebrochene Lärchen und Arven, die zum Teil mehrere Lawinenabgänge und ein jahrelanges Darben in den Geröllhalden des Engadins hinter sich haben; ausgestossene Greise der Natur. Curtius nimmt sie alle – die Riesentrümmer wie die faltigen Kerle – in sein Lager auf. Er sucht im Sommer sogar ganz gezielt in Flussläufen, Schutthalden und Lawinenkegeln nach «allem, was durch die Elemente Wasser und Luft verformt wurde». Dann überführt er sie in einen neuen Lebenszyklus: Die Fundhölzer wollen zu Skulpturen veredelt werden – die bei der Bearbeitung so gutmütigen Pappelhölzer aus dem Rheintal zu Möbeln, modelliert aus einem einzigen grossen Stück Stamm. Irgendwie passt ja auch Alexander Curtius nicht so richtig in die Norm. 1961 in Düsseldorf geboren und in Hamburg aufgewachsen, die Mutter Skilehrerin aus Bayern. «Es war immer mein Traum, in den Bergen zu wohnen», sagt er. Curtius nahm Umwege zu seiner Bestimmung, ähnlich einem Fundholz. Abitur, Schreinerlehre, Studium der Bildhauerei in Wien. Er lernte dort seine spätere Frau Judith kennen, eine Schweizerin. Lange arbeiteten die beiden als Lehrer. Zuerst in Mannheim, schliesslich in den Bergen von Scuol an der Bergschule Avrona – eine Sonderschule für verhaltensauffällige Jugendliche auf der Grundlage der Rudolf-Steiner-Pädagogik . «Da ging es irgendwann vor allem darum, in Beziehung mit den Jugendlichen zu treten.» Und auch wenn es ihm als Vater von zwei – inzwischen erwachsenen – Kindern vor zehn Jahren nicht leichtfiel, einen sicheren Job fürs freie Künstlerdasein aufzugeben, muss man es wohl so sehen: Der Unterricht war dem Werklehrer und Saxophonspieler mit einer Vorliebe für freie Improvisation irgendwann zu viel Vorgabe und zu wenig Holz. Denn Curtius spricht nicht einfach über Holz. Er schwärmt von Holz. «Wenn man schaut, wie so ein Baum wächst und was der alles kann! Der stellt Zellulose her, macht gute Luft, ist ein Baustoff – und sieht auch noch gut aus.» Nur – die Idee, Fundholz zu reanimieren, kam dann doch von seiner Frau, während eines Urlaubs in den Bergen von Norwegen: «Sie fragte mich, warum ich nichts mit Wurzelhölzern mache.» Ja, warum eigentlich nicht? Blühen. «Hier kannst du rechts ranfahren», sagt Curtius nach ein paar weiteren Autominuten erneut, und fügt wieder – weniger um sich selbst als um den anderen besorgt – hinzu: «Schön langsam. Da könnte es glatt sein.» Es sind ein paar Schritte mehr zu seinem Atelier, als es zum Kuhstall-Lager waren. Der Fussweg führt steil durch die Bergwiesen oberhalb von Scuol. Hier oben Ein Fundholz aus den Schutthalden der Engadiner Berge sollte vor allem ein Kriterium erfüllen: dem Künstler gefallen. Hochgenuss 27

Français

Proposition de sorti 02.2018 - Freeride autour d’Airolo Neve polverosa nel sud !
Proposition de sorti 01.2018 - Recette glacée et verticale

NEWSLETTER
SOCIAL MEDIA


#baechlibergsport