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Inspiration 01/2017 dt

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Vor seinem Atelier hält

Vor seinem Atelier hält Curtius unter Lärchen auch seine Kurse ab. Das Holz ist dann bereits mit der Motorsäge grob zugeschnitten. Hochgenuss 28 hält er im Sommer auch seine Kurse ab, die auch bei einem der Marketingsprache eher Unanfälligen wie ihm heute «Design Workshops» heissen dürfen. Früher war der Ort KURSE & AUSSTELLUNGSBESUCHE Alexander Curtius bietet im Sommer 2017 sowohl Kurse zum Fertigen eines Möbelstücks als auch zum Bearbeiten von Fundholzskulpturen an. Je nach Grösse und Aufwand dauern die Kurse von einem Tag für Fundholzminiaturen (CHF 240.-) bis zu neun Tage für eine Sesselliege (CHF 3900.-). Ein Wochenendkurs über drei Tage in Scuol oder im Fextal zum Anfertigen einer Skulptur mit Fundholz kostet beispielsweise CHF 590.- (jeweils ohne Unterkunft und Verpflegung). Anmeldung und weitere Auskünfte bei Alexander Curtius unter www.alexandercurtius.ch, Tel. 077 422 06 75. Besichtigung von Ausstellung und Atelier in Scuol nach telefonischer Anmeldung möglich. ein Schiessplatz, als Nachbarn hat er nur die Hütte der Pfadfinder, weiter oben liegt ein biologisch-dynamischer Bauernhof. Es ist ein Ort, um ein bisschen die Welt zu vergessen, wie Curtius sagt: «Wenn ich hier bin, bin ich in spezieller Energie.» Als anthroposophisch geprägter Holzkünstler ist Curtius freilich auch so etwas wie ein Naturphilosoph. Erstaunlicherweise aber kann er vom Kosmos, von Strömungen in Hölzern und dem Möbelstück als Organismus erzählen, ohne dass man ihm gleich die 111 Tofugerichte für Fortgeschrittene samt Esoterik-Kalender 2017 überreichen möchte. Was er in seinem Atelier macht, liesse sich handwerklich-pragmatisch als Säge- und Schnitzarbeiten beschreiben. Bei Curtius klingt das so: «Ich möchte die Geschichte aus dem Holz herausholen.» Das ist anders als bei einem Schreiner, der etwas aus Latten und Leisten zusammensetzt. Curtius fördert aus dem Holz nur etwas zutage, was schon längst angelegt ist. In der Mitte des Ateliers steht ein gewaltiger Ofen mit Kieseln statt Kacheln, in Form gehalten durch ein Konstrukt aus Armierungseisen. Typ: «selbst gebaut». Der Kieselofen trennt die kleine Eckküche vom Arbeitsbereich. Motorsägen liegen am Boden neben einem frisch zur Liege ausgesägten Pappel-Rohling, die Regale sind voller Feilen und Schraubzwingen, Hobel und Schleifgeräte. Darunter lehnt ein etwa ein Meter hohes Arven-Fundholz mit der Anmutung eines Harfenrahmens am Tisch und wartet darauf, dass es Alexander Curtius zur Blüte bringt. Curtius’ Zur-Blüte-bringen lebt nicht davon, dass er dem Holz aus der Natur etwas hinzufügt. Es geht darum, etwas wegzuneh-

Schöne Formen: Am Ende werden aus den riesigen Pappelholzstämmen fast zierlich anmutende, sanft geschwungene Möbel. men, und zwar an den richtigen Stellen. Es braucht dazu nicht viel, je nach Arbeitsschritt Motorsäge, Schnitzmesser, Raspel, Handhobel, Ziehklinge oder Schleifpapier. Der Prozess ist ergebnisoffen, die Anleitung geschieht über Inspiration und Improvisation. Er greift sich also das Harfen-Zirben-Fundholz vom Tisch und sagt: «Schau dir das an. Das mit dem vielen Holz ist die Stoffseite, das andere die Raumseite.» Vor allem an der Stoffseite gilt es zu werkeln, und klar wird nun auch: Es gibt nicht viele Kriterien, die ein Fundholz aus den Schutthalden von Pontresina oder S-charl erfüllen muss. Curtius zählt genau drei auf. Erstens sollte es nicht durch und durch morsch sein. Zweitens sollte es ein gewisses Volumen haben, und drittens, der wohl wichtigste Punkt: Es muss einem gefallen. Vor einiger Zeit gefiel einem seiner Kursteilnehmer ein Stück Holz besonders gut, obwohl er es nur aus der Ferne sah. Es war mehr als zwei Meter lang, «so gross wie dieser Raum», und es lag weit oben in einem Geröllfeld im Val S-charl. Curtius weiss noch sehr genau, wie er dem Kursteilnehmer erklärte: «Geht nicht. Damit wirst du in einem Drei-Tages-Kurs nie fertig.» Er weiss auch noch sehr genau, wie einer der Helfer beim Versuch, das Holz doch zu holen, das Geröllfeld hinunterkugelte. «Ich dachte, der ist hinüber.» Vielleicht ist auch die Blüte aber einfach eine Frage des Willens. Der Helfer erlitt nur ein paar Kratzer und der Kursteilnehmer holte sich das Holz, das ihm so gut gefiel. Und er wurde fertig. Vergehen. Ortsmitte Scuol, noch einmal sagt Curtius: «Fahr’ hier rechts ran.» Auf der anderen Viel mehr als zwei Handvoll Handwerkszeug braucht es nicht für einen formschönen Sessel. Strassenseite liegt unterhalb eines Hotels sein Ausstellungsraum, er hat ihn erst vor Kurzem angemietet. Seine Sessel und Liegen aus Pappelholz, seine Skulpturen aus Arve, Lärche oder auch Olive stehen hier zum Verkauf. Die Trümmer und knorrigen Holzgreise aus dem Lager haben sich in anmutig geschwungene Kunststücke verwandelt – «die Metamorphose vollzogen», wie Curtius sagen würde. Der Betrachter sieht – auch das ist eine Frage der Interpretation – Kugeln, Tornados, Frauenkörper. Da fast alle Stücke Unikate sind, muss er bei den Preisen auf Anfrage entsprechende Summen aufrufen. 2800 Schweizer Franken für diese Skulptur aus Lärche, 8800 für jenen Sessel und 12000 für die Liege dort. Das schränkt den Käuferkreis ein. Doch den Grossteil seines Einkommens machen inzwischen ohnehin seine Kurse aus, bei denen Teilnehmer ihr bevorzugtes Modell günstiger selber fertigen können. Manchmal wünschte er sich zwar, dass er einen so grossen Namen hätte, dass den Menschen der Preis für ein echtes Curtius-Lawinenwandholz völlig egal wäre. Und manchmal, wenn ihm die Kursteilnehmer im Nachhinein zeigen, wo die in tagelanger Arbeit gefertigten Stücke am Ende landen, denkt er sich nur: «Oje.» Aber natürlich weiss einer wie der Curtius auch: Wenn zumindest ein bisschen was von dem Holz aus den Bergen und seiner Arbeit hängen bleibt, und sei es nur in einem schlecht ausgeleuchteten Eck des Wohnzimmers statt prominent im Eingangsbereich, dann ist auch dieses Vergehen gar nicht so tragisch, oder? Hochgenuss TEXT: DOMINIK PRANTL FOTOS: ZVG 29

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